Niccolo„Dieser Begriff hat mich fasziniert, seit ...“ - Gedanken

Dieser Begriff hat mich fasziniert, seit ich ihn das erste Mal gehört habe. Er ist - wie ich neidvoll anerkennen muss - genial. Auf den ersten Blick oder auf das erste Hinhören vermittelt er das in der kälter werdenden Zeit unabdingbare Gefühl der Sicherheit, ich spürte sofort, dass dort emsige Genossen an (auch) meiner Sicherheit arbeiten, dass ich unverzagt der Zukunft entgegen gehen kann und dass ich, wandelte ich auch im finsteren Tal, einst zu einer lichten Aue geführt und dort vom nachgeordneten Sozialministerium mit von der Zukunftswerkstatt entwickelten Methoden geweidet werden würde.

Die Partei ist mein Hirte

Die Partei ist mein Hirte, mir würde nichts mangeln. Ein guter Slogan verhindert bekanntlich für Jahrzehnte das Denken. Oder war es die Verknüpfung der Begriffe Zukunft und Arbeit? Für die Zukunft war seit je her von Apollon gesorgt worden, der immer schon gute Geschäfte mit der Deutung derselben gemacht hat. Später übernahmen das dann Forschungsinstitute, die sich streng an die Richtlinien des alten Delphi hielten und damit wohl die risikolosesten Geschäfte machen. Eine Berufshaftpflichtversicherung für Meinungs- und Zukunftsforscher ist wegen Unterschreiten der Mindestprämie noch nicht angeboten worden.

Mit fremdem Geld prassen

Den Begriff Arbeit mit ins Spiel zu bringen war für die Genossen naheliegend, sie leben ja von dessen Verwaltung und handhaben ihn wie die Katholiken die Monstranz. Mir als arbeitsscheuem Individuum war er immer ein wenig suspekt, aber seit man alles mit Arbeit erklärt oder adelt, wie z.B. Trauerarbeit (was ist schon Trauer ohne Arbeit, bestenfalls Zwiebelschneiden), Kunstwerkstatt, Fotofabrik und so weiter, gibt es schon mehr her.
Dennoch haben mich diese Überlegungen nicht restlos zufrieden gestellt. Da ich ohnehin glaube, dass die Zukunft nie kommt und wir immer in der Gegenwart leben, habe ich weiter geschürft. Da war einerseits die Überwindung der ungewissen Zukunft durch die Arbeit der fleißigen Massen, angeleitet von der Partei. Das macht Sinn, aber es ist nicht handfest genug. Die Erklärung habe ich dann bei jemand gefunden, der fast schon ein halbes Jahrtausend tot ist. Es ist kein geringerer als Niccolo M. Niccolo M., dessen Schriften von aufgeklärten Zeitgenossen als machiavellistisch gebrandmarkt werden, hat eine Menge nützlicher Ratschläge gegeben. Er hatte nichts besseres zu tun, weil man ihn auf Eis gelegt hatte. Einer dieser Ratschläge bezog sich auf Geld, nämlich auf das Geld des Herrschers. Niccolo M. meinte, dass der Herrscher nur mit fremdem Geld prassen sollte, etwa mit Geld aus der Kriegsbeute. Mit dem eigenen Geld, den Steuereinnahmen, sollte er sparsam umgehen, weil das undankbare Volk die Geschenke postwendend vergessen und ihn wegen der danach notwendigen höheren Steuern zum Teufel jagen würde.

Die Medici hätten ein Schweinegeld gezahlt

Da hat es bei mir endgültig geklickt. Ausgegeben wird das Geld heute durch die Genossen. Da es keine Kriegsbeute gab, plünderte man einfach die ungeborenen Nachkommen, was über langfristige Kredite leicht möglich war. Niccolo M. würde vor Neid erblassen, wenn er von dem Trick gewusst  hätte, denn die Medici hätten ihm für die Lizenz für ein Schweinegeld gezahlt. Den Zweck der Zukunftswerkstatt weiß ich jetzt auch. Immerhin muss eines Tages jemand den Zahlern erklären, warum sie für Dinge blechen, die sie nie gewollt und auch nie benutzt haben. Das meiste Geld wurde, so werden sie dann feststellen, nicht für Investitionen, sondern für das Aufrechterhalten eines Systems verbraucht, das sie aus den Geschichtsbüchern
kennen.

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