BakschischDas Institut für Reine und Angewandte Bakschischologie ist 65 Jahre alt - Festansprache des Rektors der Universität Krasnopolsk. Erhabener Großkhan, ehrwürdige Wojwoden, gelehrte Bojaren, hohe Festversammlung!

 

Mit freudigem Stolz erblicke ich die schönsten Blüten unserer Gesellschaft und die gelehrtesten Weisen unseres großen und ruhmreichen Landes, die sich hier zur Feierstunde versammelt haben um das weltberühmte Institut für Reine und Angewandte Bakschischologie zu würdigen. Dieser wohl strahlendste Stern unter den vielen glanzvollen Einrichtungen Maghrebiniens erhellt gleicherweise die entlegensten Hütten unseres Volkes, wie er auch den Ruf unseres Landes weit über dessen Grenzen hinaus gefestigt hat.

Die Anfänge des Instituts fielen in die bitterste Zeit: Zerstörung, wohin man schaute, die Wirtschaft lag am Boden, das Volk lebte in Armut und Hunger. Allein der Klugheit und Weitsicht des damaligen Ministers Iwan Schmattesnehmer verdanken wir, daß sich unser Land wie ein Phönix aus der Asche erhob. Er übertrug das Prinzip „zu schmieren, wenn ein Rad blockiert“ auf Wirtschaft und aufkeimendes Sozialsystem. Um aber auch die Grundlagen des Schmierens wissenschaftlich zu erforschen und die Ergebnisse zielgerichtet anzuwenden, gründete er das Institut für Bakschischologie.

Bereits die erste öffentliche Vorstellung unseres Instituts erregte größtes Interesse, von nah und fern strömten wißbegierige Zuhörer herbei. Einen internationalen Wettstreit, entbrannt um die Ehre Urheber des Bakschischs gewesen zu sein, konnten griechische Historiker für ihr Land entscheiden. Überzeugend widerlegten sie die Ansicht Bakschisch wäre erst mit den Perserkriegen nach Europa gelangt. Vielmehr hatten bereits die frühesten Griechen ihren Toten nicht nur einen Obolus für die Bezahlung des Fahrscheins in den Hades mitgegeben, sondern auch einen wertvolleren Umschlag - fakelaki genannt - für die standesgemäße Behandlung in der  Unterwelt.

Die folgenden Jahre führten zur Blüte unseres Instituts. Die Inskriptionslisten aus dieser Zeit verzeichnen unzählige Studenten, die später als namhafte Politiker, Wirtschaftstreibende, Künstler, Mediziner u.v.a.m. das Gelernte mit Begeisterung und Kreativität in Beruf und Privatleben anwandten und damit zum nachahmenswerten Vorbild unserer Gesellschaft wurden. Ja, festverankert im nationalen Brauchtum führten Bakschischgeben und Bakschischnehmen zu allgemeinem Wohlstand, der Satz „Manus manum lavat“ wurde Wappenspruch unseres Landes. (An das fixe Einkalkulieren eines zu erwartenden Bakschischs erinnern beispielsweise auch heutige Lohntarife für Berufe wie Friseur, Kellner, Chauffeur.)

Das breite Spektrum unserer Forschung behandelte auch Fragen der Etikette, der korrekten Form der Überreichung von Bakschisch. Hier löste der von uns empfohlene, unauffällige Briefumschlag oder Aktenkoffer einen nachhaltigen Boom in Papierindustrie und Koffererzeugung aus. Eine Sternstunde war die Entdeckung der überaus positiven psychischen Auswirkungen des Bakschisch Transfers, die sich vor allem in der Freude beim Nehmer, ebenso wie in der Vorfreude beim Geber in seiner berechtigten Erwartung der Gegenleistung äussert. Diese Millionen umschlingende Freude erhielt ihren schönsten Ausdruck in der völkerverbindenden Hymne „Ode an die Freude“.

Unseren jüngsten Fortschritt sehe ich in der Schaffung eines Departments für System-Bakschischologie. Diese hat zum Ziel die weltumspannenden, miteinander verknüpften Bakschisch-Netzwerke wissenschaftlich erfaßbar zu machen. Ihr Kernstück ist eine öffentlich zugängliche Datenbank mit stündlich aktualisierten Daten zu Bakschschisch-Gebern/-Nehmern („nodes“) und Verknüpfungen („edges“).

Heute ist Bakschisch aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken: ob nun ganzseitige „Wer schmiert, der fährt“- Inserate unserer Verkehrsmittel davon künden oder „Es läuft, wie geschmiert“-Pressekonferenzen unserer Politiker, die uns im Wahlkampf „Honig um den Mund schmieren“. Stolz verkünde ich: wir haben „Bakschisch für alle“ angestrebt, wir haben darin  Verteilungsgerechtigkeit erreicht!

Ich möchte nicht schließen ohne Ihnen, erhabener Großkhan, für die großzügige bisherige Unterstützung unserer Zukunftsstiftenden Arbeiten zu danken und Ihnen submissest dieses kleine Kuvert zu überreichen, mit der Bitte um huldvolle weitere Förderung.

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