Vom Staat, der seine Bürger plagt,
wird prompt nach jeder Irrung
„mehr Bürgernähe“ zugesagt -
als Trost und zur Verwirrung!

 

Zwar scheint die Masche gar nicht schlecht,
denn wo Begriffe mangeln,
da muß man ihn, den Steuerknecht,
mit schönen Worten angeln.

Doch Deutsch ist leider um und um
gespickt mit lauter Tücken,
wenn Wörter im Kompositum
einander nahe rücken:

Ein „Bürger“ vor der „Nähe“ mag
das Wer, das Wem bestimmen,
vielleicht das Wie auch - oder vag
im Trüben fischend schwimmen!

Drum fragt der Bürger, was das sei,
die angedrohte Nähe:
Ist‘s Mann an Mann in Tuntelei,
womöglich gar als Ehe?

Die Bürgerinnennähe, ja!
Die würde er ersehnen.
Nur meist sind Feminanzen da,
die sich belästigt wähnen!

Die Obrigkeit macht schließlich klar
und sagt es unumwunden:
Der Bürger, der wohl lose war,
gehöre „eingebunden“!

Der Untrigkeit gibt die Idee
ein altgewohntes Prickeln:
Sie ahnt, es gilt wie eh und je,
den Bürger einzuwickeln.

Pannonicus alias Dr. Richard G. Kerschhofer

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