Stolz erblickte ich das Licht der Welt als einer der schönsten Plätze Europas in einem großen Kaiserreich. Bald schon verstarb der Herrscher, das Reich zerfiel und mit mir ging es unaufhaltsam bergab. Weil in einer meiner dunkelsten Stunden ein geistesgestörter Rattenfänger von meinem prachtvollen Balkon das Ende der Souveränität meiner Heimat verkündete, wird mir seither ziemlich übel mitgespielt.

Nicht nur, dass mich ein zwar hochbegabter, jedoch frustrierter sowie Österreich hassender Schriftsteller schlagzeilenträchtig als Titel für ein Abrechnungswerk mit seinem Heimatland verunglimpfte, muss ich immer öfter für erniedrigende Aktionen herhalten. Wobei die jährlich stattfindende Heeresleistungsschau meiner Bestimmung sehr nahe kommt und am ehesten meine Akzeptanz findet, trampeln den Rest des Jahres bei diversen, neudeutsch „Events“ genannten Veranstaltungen Massen von Besuchern auf mir herum und zerstören meine idyllischen Grünflächen, welche danach wieder mit vielen, schwer verdienten Steuermillionen zu reparieren sind.

Der Bürgerprotest regt sich schon leise, stört jedoch die Stadtverantwortlichen wenig, denn auf Grund meiner geschichtlichen Belastung soll und muss „getrampelt“ werden. Als einzige Gegenmaßnahme ersetzte man eine meiner großen Rasenflächen durch hässlichen Asphalt.

Nicht genug, überraschte mich jüngst das Wiener „Rothaus“ mit dem Beschluss, mein beschauliches Panorama mit der Errichtung einer sogenannten „Hunde(gacki)zone“ zu krönen, an die sich viele Hundebesitzer erst gar nicht halten, sondern weiterhin mein gesamtes Areal verunreinigen - was einmal mehr beweist, dass die besten Gesetze sinnlos erscheinen, wenn man sie nicht exekutiert. Wie sehr mich diese unwürdige Nutzung in meinem Innersten trifft, muss ich wohl nicht weiter betonen, aber was erwarte ich schon vom grünen Regierungspartner, der noch vor nicht allzu langer Zeit „Nimm dein Flaggerl für dein Gaggerl“ plakatierte!

Auch die nächsten beiden geplanten Projekte tragen nicht zu meiner Beruhigung bei. Angedacht wird ein mit Steuermitteln finanziertes „Denkmal für Deserteure“, was ich als Widerspruch an sich empfinde. Schließlich bedeutet der Wortstamm „deserere“ im Stich lassen und da frage ich mich allen Ernstes, warum man jemandem, der einem „im Stich lässt“ ein Denkmal setzt? Nun zur skurrilsten Idee zweier roter StadtpolitikerInnen: auch vor mir darf der wie eine Seuche um sich greifende Genderwahn nicht Halt machen. Ich soll mit einer neuen, gendergerechten Namenstafel, welche tatsächlich auf „Heldinnenplatz“ lautet, behübscht werden!

Tief betrübt über diese Aussichten, bat ich in meiner schieren Verzweiflung eine über mich spazierende Wahrsagerin um einen Blick in meine Zukunft. Sie prophezeite mir Erschreckendes: die Heeresschau wird wegen Einsparungen für ein Berufsheer eingestellt, die letzten Rasenflächen ersetzt man durch roten Asphalt, damit in Zukunft Mai- bzw. Parteiaufmärsche hier stattfinden können und in der Endausbaustufe sollen zwei spitze Türme entstehen, von denen laute Rufe zum Gebet auffordern, dann wäre meine düstere Vergangenheit endgültig überwunden. Am Boden zerstört entfuhren mir nur mehr die Worte meines Erfinders: „Mir bleibt nix erspart“, ehe ich für immer verstummte!

 

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