Vorausschicken möchte ich, dass ich Sprössling einer Wiener Katzendynastie bin, meine Mutter wenige Tage nach meiner Geburt bei einem Verkehrsunfall starb und mein Vater – wie heute durchaus üblich – unbekannt blieb. Zusammen mit meiner Zwillingsschwester und einer Stiefschwester wurde ich von Menschen aufgezogen, die stets bestrebt waren unseren besonderen Bedürfnissen und Forderungen Folge zu leisten.

Selbstverständlich ging ich auch zur Schule, da i) öffentliche Schulen grundsätzlich allgemein zugänglich sind, also allen ohne Unterschied der Geburt, des Geschlechtes, der Rasse (also Spezies wie mich ansprechend, da die Genetik die Existenz von Human Rassen ausschließt), des Standes, der Klasse, der Sprache (also auch des Miauens) und des Religions bekenntnisses offen stehen“ und ii) die begründete Aussicht bestand, daß ich dem Unterricht in der ersten Schulstufe folgen kann, ohne körperlich oder geistig überfordert zu werden1“.

Schulleiter und Lehrer – überzeugte Anhänger des „Interkulturellen Lernens als Unterrichtsprinzip2– standen mir von Anfang an äußerst positiv gegenüber und setzten entsprechende Maßnahmen zu meiner Förderung: Ich bekam Unterricht durch einen des Miauens kundigen Lehrer, man stellte die Verpflegung (aus logistischen Gründen auch die der Mitschüler) auf Katzennahrung um, berücksichtigte meine hygienischen Ansprüche durch das Aufstellen vieler attraktiver Sandkisten, stellte Kratzbäume auf und befriedigte meine Neugier durch permanent offene Klassentüren.

Zur „Förderung von interkulturellen Kompetenzen2erstellten Sozialforscher, Pädagogen und Psychagogen auf mich abgestimmte didaktische Konzepte, die auf eine Verbindung von interkulturellem Lernen mit selbstgesteuertem forschendem Lernen hinausliefen. So kam es bald nicht nur zu einem Respektieren meiner besonderen Begabungen, sondern diese flossen auch in Form und Inhalte des Unterrichts ein.

Insbesondere haben die Mitschüler meine selbstgesteuerte Teilnahme am Unterricht freudigst kopiert und je nach Laune ebenfalls gedöst, sich amüsiert oder waghalsigst geforscht! Hier ein eleganter Sprung aufs Fensterbrett um Fliegen zu jagen, da ein gelangweiltes Verfolgen des Unterrichts vom Hochsitz des Kastens aus, hier wilde Jagden quer durchs Schulgebäude und gefährliche Raufereien, da höchster Einfallsreichtum in Fächern wie Musik und Turnen!! Als Vorbild habe ich meine Mitschüler zu ungeahnter Kreativität und Innovation angeregt und damit meiner Schule zu höchsten Auszeichnungen und Förderungen verholfen, die ihr für „die identitätsbildende Wirkung des Erfahrens von Gemeinsamkeiten und Unterschieden der Kulturen2verliehen wurden. Mein Slogan „Schule macht Spaß“ – abgekürzt SMS – wurde Motto des Bundesinstituts für Bildungsforschung, Innovation & Entwicklung des österreichischen Schulwesens (bifie), das ich nun als prominenter Miauator berate.

Insgesamt betrachtet war meine Schulzeit uneingeschränkt glücklich. Drohende Prüfungen, Benotungen oder gar Durchfallen gab es nicht, vor allem, weil Kenntnisse im Lesen, Schreiben und Rechnen sich bereits als überholt erwiesen hatten: Tatsächlich erreichten einige unserer Absolventen auch als Analphabeten höchste Positionen in Politik, Sport und Wirtschaft! Ich bin stolz darauf, daß ich die Kultur, die mich aufnahm, bereichert habe, vor allem weil meine Mitschüler von mir die zwei wichtigsten Dinge fürs Leben lernten: erstens seinen Emotionen stets freien Lauf zu lassen, zweitens sich dafür von Anderen versorgen zu lassen.

1 Informationsblätter zum Schulrecht, BMUKK 2007, 2 D. Strohmeier, C. Spiel, 2005 Interkulturelle Beziehungen an Wiener Schulen

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