„Pasta, Pizza und Pompeji“ heißt ein Erfolgsrezept, um Kindern mehr fürs Leben mitzugeben als das in der Schule Gebotene. Für mich als Großmutter und Eltern mit Kindern zwischen 7 und 13 Jahren wurde diese Familienstudienreise ein unvergessliches Erlebnis!

Schwelende Vulkane, antike Tempel, Gladiatoren, griechische und römische Götter und die Kunst des Pizzabackens. Das ist der Stoff einer Reise, bei der wir zu einer großen Familie wurden. Es war erstaunlich, wie viel Siebenjährige über Pompeji wussten! Unsere Reiseleiterin schaffte es, alle gleichermaßen zu begeistern. Während der Fahrten las sie aus Bernard Evslin exzellenter griechischer Mythologie „Götter, Helden, Ungeheuer“ vor.

Beeindruckend der „Vorraum zur Hölle“, der Krater des Vulkans „Solfatara“ auf den Phlegräischen Feldern, wo sich die Erde ständig hebt und senkt und stinkende Rauchschwaden aufsteigen. Wir lauschten dem schaurigen Echo der Unterwelt, wenn Steine auf den Boden polterten und machten einen Bogen um die „Teufelsküche“, in der 200°C heißer Schlamm blubbert. Auf dem Weg zum Vesuv las Ulrike aus den Briefen von Plinius dem Jüngeren vor, der Tacitus den Vulkanausbruch und die Zerstörung Pompejis sehr plastisch schilderte. Alle lauschten, wie sich am 24. August 79 nach Chr. mittags der Himmel verfinsterte und der Vesuv drei Tage lang Asche auf Pompeji regnen ließ. Eine giftige Wolke erstickte alles Leben. Erst 1700 Jahre später begann man die vergessene Stadt auszugraben.

Weiter ging es mit einem Blick über den Kraterrand des Vesuvs und in Pompeji staunten die Kinder über die vielen kleinen „Gasthäuser“, in denen vor 2000 Jahren aus Tongefäßen Speisen angeboten worden waren. Besonderes Interesse erweckten die „ Zebrastreifen“ aus drei großen ovalen Steinen, auf denen man bei Regen die Straßen überqueren konnte. Die Kinder erfuhren auch, wie die damaligen Getreidemühlen funktionierten. Erstaunlich viel wussten die Kinder über die Gipsabdrücke von Menschen aus Pompeji. Unser italienischer Führer fesselte die Kinder durch seine spannenden Erzählungen. Wir sahen förmlich das lebhafte Treiben, das einst in dieser sinnesfrohen Stadt geherrscht haben mag. Dass die alten Römer schon Fußboden- und Wandheizung hatten, konnten die staunenden Kinder an den noch vorhandenen Resten erkennen.

Einer der Höhepunkte war eine Wanderung zu einem Bauernhof, wo jeweils zwei Kinder auf dem Rücken eines Esels reiten durften. Tische und Bänke waren im Schatten einer riesigen Platane aufgestellt worden und als der erste Durst gelöscht war, durften wir bei der Zubereitung von Mozzarella mithelfen. Dann gab es das Festmahl, von dem mein 12-jähriger Enkel behauptete, nie einen besseren Mozzarella gegessen zu haben!

Da wir im Cilento auf einem Bauerngut lebten, sahen wir auch woher die Zutaten für unsere Speisen kamen. Wir konnten Feigen und Pfirsiche von den Bäumen essen, bis wir nicht mehr konnten. Einmal durfte jedes Kind auch seine eigene Pizza gestalten. Vergnügt sahen wir zu, mit welchem Ernst sie bei der Sache waren. Zuletzt mussten die Pizzen noch gekennzeichnet werden, denn jeder wollte ja sein eigenes Meisterwerk verspeisen.

Unvergesslich auch das Picknick in den Ruinen der weitläufigen Villa des Tiberius auf Capri. Ulrike ließ eine Welt aufleben, die uns die Ruinen nie offenbart hätten. Als wir auf dem Boden gingen „auf dem Kaiser Tiberius auch schon gegangen ist“, waren alle ergriffen. Auf dem Felsvorsprung Belvedere del Salto di Tiberio, von wo aus angeblich unliebsame Gäste oder Überbringer einer schlechten Botschaft fast 300m hinabgestürzt wurden, war allen schaurig zumute.

Leider ist auch die schönste Reise einmal zu Ende. Sie war für uns alle ein unvergessliches Erlebnis, vor allem wohl auch deshalb, weil sich sowohl Erwachsene als auch Kinder auf Anhieb wunderbar verstanden.

Go to Top
Template by JoomlaShine