Rettung auch für griechische Reedereien?

Griechischer TankerSind griechische Reedereien auch „too big to fail“ und muss der (nord-)europäische Steuerzahler diese Unternehmen retten, damit sich die Eigentümer neue Appartments in der Londoner City kaufen können?

 

 

Die Griechen beherrschen 46,15 % der EU-Handelsflotte. Sie fahren unter der Flagge von 51 Staaten, vorrangig unter Panama, Liberia und Bahamas. 15,9 % der weltweiten Tonnage wickeln Griechen ab, auch werden 25 % der Öltanker nach Anzahl und Volumen von Griechen kontrolliert. Der Volumensanteil griechischer Reeder an der weltweiten Containerschifffahrt liegt bei 5 %. Die Flaute in der Handelschifffahrt 2008/09 nutzten griechische Reeder, preiswerte Schiffe anzukaufen und die Kapazitäten stark auszuweiten. Auch spekulierten sie kurzfristig auf steigende Schiffspreise, indem sie Schiffe billig einkauften, um sie dann teuer zu verkaufen. Sie gingen damit ein hohes Risiko ein. Die Hoffnung auf eine rasche Erholung war kurz, bereits im Jänner 2012 brach der BalticDry-Index stark ein. So kommt es, dass mit den Schiffsfinanzierungen Banken in Notlage geraten.

Rettet der Steuerzahler auch die Reeder?

So schreibt die Nachrichtenagentur Reuters, dass griechische Banken weitere 15 Mrd. Euro zur Rekapitalisierung brauchen, zusätzlich zu dem zweiten Rettungspaket über 130 Mrd. Euro für Griechenland. Die griechischen Banken haben Kredite an die griechische Schifffahrt in der Höhe von 16 Mrd. Euro vergeben, die durch die wirtschaftliche Lage nicht bedient werden können. So übernehmen Banken die Ausfälle für Reeder-Milliardäre, die wiederum durch den europäischen Steuerzahler abgedeckt werden müssen. Während ein mittelständisches Unternehmen Probleme hat, Kredite zu bekommen bzw. das volle Risiko trägt, sollte es Kredite nicht bedienen können, haben gewisse Gruppen von Unternehmern das Privileg, sich über Kredit zu verschulden und diesen bei schwarzen Konjunkturwolken am Himmel nicht zurückzuzahlen, Insolvenz anzumelden. Dann bleiben die Banken auf ihren Krediten sitzen, obwohl die Unternehmer oft sehr gut situiert sind, lukrative Bezüge aus dem Geschäft erzielten, keine Steuern zahlen und häufig Milliardäre sind.

Faire, freie Marktwirtschaft

So kommt es, dass eine unzureichende Gesetzeslage, Subventionen, Seilschaften, Betrug zu ungerechtfertigten Wettbewerbsvorteilen führen, die gegen Moralvorstellungen verstoßen, die auch im eigenen Land nicht zu akzeptieren sind. Warum sollten wir dieses EU-weit akzeptieren? Zu viele Politiker, Ökonomen bezeichnen diese Bedenken als Unwissenheit, Nationalismus, doch ignorieren sie die Tatsache, dass die Wirtschafts- und Währungsunion durch unlauteren Wettbewerb zu einer Umverteilung von Klein zu Groß, von Arbeits- zu Kapitaleinkommen, von Nord nach Süd verkommt und so keinesfalls auf Dauer akzeptiert werden kann. Genau diese Debatte muss unbedingt öffentlich diskutiert werden, um für eine faire, freie Marktwirtschaft mit entsprechendem Regelwerk zu sorgen, anstatt einer kapitalismuskritischen Debatte mit starken Tendenzen zu einer zentralen diktatorischen Planwirtschaft Vorschub zu leisten. Es mag sein, dass es Kräfte gibt, die sich das für Europa wünschen. Doch des Bürgers Wunsch ist es nicht. Den Euro als alternativlos zu erklären, nur weil er verspricht den wirtschaftlichen Kuchen insgesamt zu vergrößern, ist eben die sicherste Methode, dass der Euro seine Berechtigung verliert. Denn nur, wenn die Konkurrenten (die EU-Staaten, die EU-Bürger) die faire Möglichkeit hätten, nach denselben Regeln, Chancen und auch Hindernissen operieren zu können, würden sie die Unterschiede in ihrem Talent und Geschick, wirtschaftlich erfolgreicher zu sein, erkennen, akzeptieren und niemandem neiden.

 

Elisabeth Weiß ist Betriebswirt